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Durch den Informationsdschungel schneiden: Die wesentlichen Best Practices zur Orientierung am EU-Omnibus-Vorschlag

 

25. März - 21 Minuten

Angesichts der vielfältigen Meinungen zum EU-Omnibus-Vorschlag – einer zentralen Verordnung im Bereich Nachhaltigkeit – bietet diese Podcast-Episode wertvolle Einblicke von Branchenexperten, wie Unternehmen sich in einem sich wandelnden regulatorischen Umfeld behaupten können. Tara Norton und JP Stevenson teilen ihre Perspektiven zur Bewältigung der Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur entscheidenden Rolle der Sorgfaltspflicht in Lieferketten, unabhängig von sich ändernden Anforderungen.

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LRQA: The Future in Focus

TN: Hallo. Mein Name ist Tara Norton. Ich bin Direktorin unsere EMEA Advisory-Bereichs bei LRQA und habe zusätzlich eine Doppelrolle in der internen Leitung der Nachhaltigkeitsstrategie von LRQA.

Vielen Dank. Es ist großartig, dich hier zu haben, JP.

JS: Ich bin JP Stevenson. Ich leite die Marktentwicklung für EiQ, unser Datenunternehmen. Ich bin in Hongkong ansässig und ein Großteil meiner Arbeit konzentriert sich darauf, wie der Produktionsmarkt auf Gesetzesvorhaben wie den Omnibus-Vorschlag reagiert.

Vielen Dank an euch beide, dass ihr dabei seid. Es ist toll, eure Perspektiven zu diesem wichtigen Thema zu hören. Viele Unternehmen haben derzeit wahrscheinlich Schwierigkeiten, sich durch die Diskussionen und ständigen Aktualisierungen zurechtzufinden. Angesichts eurer umfangreichen Erfahrung mit Unternehmen weltweit: Welchen Rat würdet ihr Unternehmen aktuell geben, um sich sicher durch die Unsicherheiten des EU-Omnibus-Vorschlags zu navigieren?

TN: Dies ist ein guter Zeitpunkt, um zu den Grundprinzipien zurückzukehren, warum wir uns überhaupt auf ESG und Nachhaltigkeit konzentrieren. Wenn man sich vorstellt, dass es vorher keine Berichtspflichten gab und plötzlich die EU entscheidet, eine Berichterstattung für mehr als 7.000 Unternehmen einzuführen, die wiederum Auswirkungen auf zahlreiche weitere Unternehmen innerhalb und außerhalb der EU haben, dann würden viele dies als großen Erfolg betrachten. In Wahrheit wurde jahrelang über diese Berichtspflichten diskutiert. Viele hatten Hoffnungen in unterschiedliche Richtungen, was dazugehören sollte. Doch am Ende des Tages bleibt bestehen: Nachhaltigkeitsberichterstattung wird bleiben.

Das ist ein Moment der Reflexion für Unternehmen, um sich zu fragen: Was ist uns wirklich wichtig? Wie können wir uns mit Best Practices und unserer Strategie in Einklang bringen? Die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, halten weitgehend an ihrer bisherigen Berichterstattung fest, einige sind lediglich über Verzögerungen verärgert, aber es geht weiter. Wichtig ist, klug und vorausschauend zu handeln.

JS: Ja, Tara, da stimme ich vollkommen zu. Ich würde Unternehmen empfehlen, sich nicht zurückzuziehen, sondern sich auf die Kernprinzipien verantwortungsvoller Beschaffung zu konzentrieren, da diese in verschiedenen Regulierungen weltweit ohnehin der gemeinsame Nenner sind. Interessanterweise haben wir ähnliche Trends in anderen Handelskontexten gesehen, z. B. mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Wer seine Investitionen in nachhaltige Praktiken reduziert, setzt sich einem Risiko aus, wenn neue Vorschriften eingeführt werden.

TN: Ein besonders wichtiger Fortschritt in der Nachhaltigkeit ist die Einigung darauf, wie eine Materialitätsanalyse aussehen sollte. Das Konzept der doppelten Materialität ist eine strategisch wertvolle Herangehensweise, da es sowohl geschäftliche als auch gesellschaftliche Auswirkungen berücksichtigt. Dies war bereits vor den neuen Vorschriften bewährt, doch die EU hat es mit der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) kodifiziert. Unternehmen, die dies umsetzen, profitieren langfristig, weil sie nicht nur berichten, sondern gezielt Maßnahmen ergreifen können.

JS: Ja, und wir sehen auch Unternehmen, die ihre bestehenden Compliance-Programme auf doppelte Materialität umstellen müssen, dabei aber auf Herausforderungen stoßen. Unternehmen, die von Anfang an auf dieses Fundament gesetzt haben, sind klar im Vorteil.

TN: Ein weiterer Aspekt ist, dass Investoren weiterhin starke Nachhaltigkeitsanforderungen stellen. Unabhängig von geopolitischen Entwicklungen bleibt das Interesse der Kapitalgeber bestehen, was die Relevanz dieser Themen weiter stärkt.

JS: In Asien sehen wir eine gewisse Zurückhaltung in der Anpassung an neue Vorschriften, doch viele Unternehmen investieren weiterhin in nachhaltige Praktiken, da dies zunehmend ein globaler Standard wird. Neben EU-Vorschriften entwickeln viele Länder eigene Regelwerke, beispielsweise Thailand mit seinem Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht oder Korea mit neuen Due-Diligence-Standards.

TN: Ja, und man darf nicht vergessen, dass der Omnibus-Vorschlag nur ein Teil der Nachhaltigkeitsgesetzgebung der EU ist. Bestimmte Branchen sind bereits durch weitere Regularien wie die EU-Batterieverordnung oder die Verordnung gegen Entwaldung betroffen.

JS: Ein großes Risiko, das oft vernachlässigt wird, ist die fehlende Transparenz in den Lieferketten europäischer Unternehmen. Viele beziehen Produkte von Zulieferern, die nicht direkt in der EU sitzen und somit regulatorisch oft nicht erfasst werden, aber dennoch erhebliche Risiken bergen. Hier fehlt oft ein angemessenes Risikomanagement.

TN: Trotz Digitalisierung bleibt der Ursprung der Rohstoffe zentral. Unternehmen müssen potenzielle Risiken analysieren und handeln. Selbst wenn ein Lieferant nicht direkt betroffen ist, gibt es oft genügend Hinweise auf Probleme, die eine Due Diligence erfordern.

JS: Ja, genau. Die Digitalisierung macht es zudem einfacher, Risiken transparent zu machen. Unternehmen können sich nicht mehr darauf berufen, keine Informationen zu haben.

TN: Unternehmen, die Nachhaltigkeit strategisch angehen, profitieren langfristig von besseren Lieferkettenbeziehungen, reduzierten Risiken und mehr Effizienz. Wer jetzt investiert, setzt sich für die Zukunft gut auf.

JS: Mein abschließender Rat: Hört auf, jedem neuen Vorschlag hinterherzulaufen. Die grundsätzliche Richtung ist klar, also sollte man sich langfristig darauf ausrichten.

TN: Ja, und lasst die Juristen die Details klären. Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren, was strategisch sinnvoll ist und wie sie ESG-Risiken in ihre Geschäftsstrategie integrieren.

Vielen Dank euch beiden. Dies war eine weitere Episode des "Future in Focus"-Podcasts von LRQA. Abonniert uns, um keine neue Folge zu verpassen. Danke fürs Zuhören!